Lebenshilfe geht neue Wege für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden
Wer im sozialen Bereich arbeitet, kann ein Lied davon singen: Wegen krankheitsbedingter Ausfälle wird nun rumgefragt, wer kurzfristig einspringen kann, obwohl man eigentlich frei hat. Das belastet alle: denjenigen, die mit dieser Frage dringend Ersatz suchen und die Kolleginnen und Kollegen in der Freizeit, die sie gestellt bekommen.
Die beiden Geschäftsführer der Lebenshilfe Wetterau, Thomas Mächtle und Adrian Kellmann, wollten das ändern und haben zusammen mit den Mitarbeitenden nach Lösungen gesucht. Als Ergebnis wurde ein Konzept entwickelt, das vorsieht, ein zusätzliches Team aufzubauen, das speziell dafür „on Top“ geplant wird.
Wichtig war den beteiligten Akteuren, dass auch die Mitglieder des neuen Teams einen verlässlichen Dienstplan haben und sich in ihrer Freizeit nicht in Dauerbereitschaft fühlen. „Konkret heißt das, dass für die Schichten mit erfahrungsgemäß häufigem Einspringbedarf eine Person mehr eingeplant wird, als benötigt. Kommt es dann beispielsweise zu krankheitsbedingten Ausfällen, ist das Team durch die Extra-Person dennoch gut besetzt“, erklärt Adrian Kellmann.
Flexibel müssen die Mitglieder des neuen On-Top-Teams nur im Bezug auf den Arbeitsort sein, nicht in Bezug auf die Zeit, die fest geplant ist: „Es kann vorkommen, dass man für die Wohnstätte in Fauerbach eingeplant ist. Wenn dann ein Kollege in Gedern krank wird, hilft die Person aus dem On-Top-Team dort aus, statt – wie eigentlich geplant – in Fauerbach“, beschreibt Judith Schäfer als Leiterin der Wohnstätte Friedberg den Ablauf. Das bedeute, dass die Zeiten verbindlich sind, nur der Einsatzort sich ändern kann. Ist das der Fall, werde der entsprechend zusätzliche Kilometeraufwand bezahlt und als Arbeitszeit angerechnet.
Adrian Kellmann stellt zudem noch einmal klar: „Die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben hat einen hohen Stellenwert und diesem wollen wir gerecht werden. Die „On Top“-Teammitglieder haben aus diesem Grund auch keine Bereitschaft, sondern Dienstpläne mit verbindlichen Einsatzzeiten.“
Adrian Kellmann weiß, wovon er spricht, da er selbst viele Jahre direkt in der Betreuung gearbeitet hat.
Betriebsratsvorsitzende Anke Jockers stellt zu den Rahmenbedingungen ergänzend fest, dass die Flexibilität belohnt werde: „Die Mitarbeitenden des On-Top-Teams erhalten eine zusätzliche monatliche Vergütung und zwei Urlaubstage im Jahr extra.“
In der Eigendarstellung der Lebenshilfe Wetterau heißt es, dass sich die Lebenshilfe seit über 60 Jahren für Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung einsetzt und dabei immer wieder Pionier war. Geschäftsführer Thomas Mächtle kämpft aber nicht nur für eine gute Betreuung, sondern auch dafür, dass die Menschen, die diese leisten, gesunde und faire Arbeitsbedingungen haben: „Uns ist es wichtig, nicht nur in der Förderung der uns anvertrauten Menschen innovativ zu sein, sondern auch bei den Bedingungen für gesundes Arbeiten“.
Nun sind die beiden Geschäftsführer gespannt, wer sich bewirbt für diese abwechslungsreiche, aber trotzdem planare Aufgabe.
Die Leiterin der Wohnstätte Gedern, Katrin Rotzsche, betont, dass die neuen Kolleginnen und Kollegen im Gegensatz zur klassischen Zeitarbeit einem Team angehören, dass nur an zwei überschaubaren Standorten eingesetzt wird und gut eingearbeitet werden: „Gerade in der Behindertenhilfe ist die Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Betreuten wichtig für eine gelingende Unterstützung.“
Adrian Kellmann ist zuversichtlich, für die neuen Stellen Menschen gewinnen zu können, denen eine abwechslungsreiche Arbeit wichtig ist, ohne dabei auf die Vorteile planbarer Dienste zu verzichten. Er wirkt im Gespräch fast etwas neidisch: „Eine solche Stelle, die mich unterstützt und zusätzlich einplant werden kann, das hätte ich mir auch gewünscht, als ich noch direkt in der Betreuung gearbeitet habe.“
Gesucht werden pädagogische und pflegerische Fachkräfte, um die Kolleginnen und Kollegen dann auch wirksam unterstützen zu können.
Details finden Interessierte hier: On-Top-Team

Ein On-Top-Team soll in den Wohnstätten der Lebenshilfe Wetterau krankheitsbedingte Fehlzeiten absichern. Foto: Lebenshilfe / David Maurer